Yoga und Verantwortung – Yamas und Niyamas

von Petra Grothe
Du wärst nicht auf dieser Welt, wenn deine Gedanken, deine Stimme und deine Taten nicht zählen würden.
Ich denke in letzter Zeit viel darüber nach, wie ich in der Welt agieren kann, ohne gegen etwas zu kämpfen, dass mir nicht gefällt, aber auch ohne etwas zu unterlassen, was von mir als Mensch erwartet werden darf. Mensch zu sein bedeutet für mich Verantwortung zu übernehmen, überall hinzuschauen, niemals wegzuschauen.

Jedem eine helfende Hand zu reichen, auch wenn wir meilenweit voneinander entfernt sind, und ich teilweise nur durch meine anteilnehmenden Gedanken helfen kann. Es bedeutet für mich Vorbild zu sein für diejenigen, die vergessen haben, dass sie Menschen sind. Mir helfen einerseits die Yamas und Niyamas* dabei, aber vor allem hilft mir mein Herz.

Die Konzernverantwortungsinitiative beschäftigt mich sehr. Politisch weiss ich nicht, welche konkreten Auswirkungen eine Annahme der Initiative im Detail haben wird. Mir genügt es, mich auf mein Gefühl zu verlassen: ja, um es milde auszudrücken, da passieren viele Dinge die nicht in Ordnung sind! Kein Gegenargument könnte mich davon abbringen, mich nicht mit denen die ausgebeutet, vertrieben oder ihrer Lebensgrundlage beraubt werden  zu solidarisieren.

Leider darf ich selbst nicht abstimmen. Für mich wäre das der einzige Grund mich einbürgern zu lassen, aber das würde nicht mehr hinhauen bis zur Abstimmung. Deshalb appelliere ich an dich, diese wichtige Initiative zu unterstützen, die Abstimmung später wahrzunehmen und andere zu inspirieren den Mut zu haben zu ihren Idealen zu stehen und sich mit Menschen zu solidarisieren, die nicht so priviligiert sind, wie wir hier in der Schweiz. Denn du wärst nicht auf dieser Welt, wenn deine Gedanken, deine Stimme und deine Taten nicht zählen würden.

*Yamas und Niyamas:
Im Yoga Sutra von Patanjali  findest du Inspirationen, wie du mit deinen Mitmenschen und deiner Umwelt umgehen kannst, aber auch wie du mit dir selbst umgehen kannst:

Zunächst die Inspirationen für den Umgang mit deiner Umwelt:
Yamas:
Ahimsa – Gewaltloskeit / Nicht schaden
Eine Welt der Gewaltlosigkeit, in geistiger, verbaler und körperlicher Hinsicht mit echtem Mitgefühl für alles Lebendige.
Satya – Aufrichtigkeit
Die vollkommene Aufrichtigkeit bestimmt das Weltgeschehen, wo keine Angst herrscht der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, sie auszusprechen und aus ihr heraus zu handeln.
Asteha – Nicht stehlen
Die vorhandene Fülle in der Welt wird für alle Lebewesen ausreichen. Jeder wird nur das aus der Fülle schöpfen, was er wirklich benötigt. Das Horten von Besitz aus Angst und mangelndem Vertrauen hat ein Ende. Ausbeutung und Armut lösen sich auf.
Brahmacharya – Mässigung
Der Mensch entdeckt wieder das Wesentliche in seinem Leben und mässigt sich bei den Dingen, die ihn vom Streben nach seiner inneren Weisheit abhalten.
Aparigraha – Nicht Greifen
Die Schönheit der Welt, der Moment wird wieder genossen und dieser Moment wird unendlich. Denn das Glück liegt im Loslassen und nicht im Festhalten.

Und nun die Inspirationen für den Umgang mit dir selbst:
Niyamas:
Sauca – äussere und innere Reinheit
Die Wandlung des konditionierten Geistes in einen freien Geist nehmen den gleichen Stellenwert ein, wie die Pflege und das Gesundhalten des Körpers.
Samtosa – Zufriedenheit
Eine Zufriedenheit und Wertschätzung den einfachsten Dingen gegenüber ersetzt die Ausbeutung der Erde und den oft unnötigen und zerstörerischen Konsum.
Tapas – innere Feuer / Disziplin
Die Befreiung des inneren Feuers, seine wahren Bedürfnisse zu kennen und zu leben, dem tiefsten Wesenskern nah zu sein, beenden die Frage nach dem Sinn des Lebens.
Svadhyaya – Studium und Selbsterforschung
Eine tiefe Erkenntnis über das Menschsein befreit den Menschen von vorgefertigten und oft starren Ansichten und gibt die Freiheit zurück das tatsächliche Potenzial zu leben.
Isvara Pranidhana – Hingabe
Die Hingabe und die Ehrfurcht vor dem Wunder des Lebens und der eigenen Existenz bringen den ersehnten inneren Frieden, ohne den kein äusserer Frieden möglich ist.

Nur wenn du diese Regeln nachvollziehen und ihren Sinn verinnerlicht hast und in dir fühlen kannst, werden die Regeln zur freien Inspiration und machen für dich Sinn. Wenn du nur einen Teil der Regeln befürworten kannst, befolge nur diesen Teil, vielleicht machen andere Inspirationen erst später in deinem Leben Sinn.

Herzlich Petra – einfachyoga.ch